Es existiert kein Grab, kein Stein, kein irdischer Ort – nichts, das uns half, je helfen würde, ihrer zu gedenken. Übrig blieben ein paar Bilder – verschwommene Fetzen glücklicher Kindheitsepisoden, Sommerurlaube im Paradies, unbändiges Freisein in der Natur – fern der regelwütigen Worte und Strafen des Alltags zuhause.

Meine Großmutter hatte ihre leibliche Hülle der Universitätsklinik in Innsbruck vermacht. Sie sagte, die Medizinstudenten sollten an ihr lernen, so würde sie bis zum Schluss zu etwas gut sein. Allzu oft stellte ich mir vor, wie man ihren kleinen, fast zerfallenen Körper in Einzelteile zerlegte – das feine Reiben der Knochensäge fräste sich in mein Hirn –, und wie Schneidewerkzeuge ihre Organe entfernten und selektierten, wie bei einem Stück Rind. Und ja, mein Verstand verstand ihre Vollmacht, verstand, dass sie über ihren eigenen Körper verfügen wollte, bis über den Tod hinaus, aber mein kindliches Gefühl verstand das nicht.

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