Ich sitze in der U1 Richtung Innenstadt und lese eine hervorragende Story von Sven Heuchert. Es ist die von dem Lehrling, der von seinen Kollegen eins auf die Fresse kriegt, weil er sich weigert, ihnen Bier mitzubringen. Auf den Bänken zu meiner Linken  sitzen zwei dickliche junge Frauen. Die eine trägt blond gefärbte Haare, die andere schwarz. Sie führen eine Unterhaltung, die mich aufhorchen lässt, denn es geht um ein Buch, das beide sehr beschäftigt hat.

„Das war ja alles aus einer Perpektive, ne?“

„Ja, aus ihrer. Bis auf´n Schluss.“

„Die letzten drei Kapitel, ne?“

„Ja. Da hat ER erzählt. Und alles ganz anders als SIE!“

„Ich frag mich immer, ob SIE das auch geschrieben hat? Die letzten drei Kapitel. Ich mein, SIE kann doch nicht ER sein.“

„Nee, das geht nicht.“

„Aber wer hat denn die letzten Kapitel geschrieben?“

Beide schauen sich ratlos an. Plötzlich erhellt sich das Gesicht der Blonden.

„Vielleicht ein ghostwriter?“

Ihre Freundin schaut lange in die Ferne, dann auf ihre Freundin.

„Ja, das wird´s sein. Ein gosthwriter.“

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